Berichte aus dem Jahr 2009

Bericht in "Falkensee aktuell" Ausgabe März 2009

Lehrer Guido Hildebrandt (43) ist sichtbar stolz auf seine sechs Jungs zwischen 15 und 16 Jahren, die im Blaumann eine Falkenseer Garage in Bahnhofsnähe bevölkern. Die Zehntklässler der Schule “Am Akazienhof“ (Poststr. 15) schrauben, schleifen, polieren und ölen an einem riesigen Metallklotz herum, der in der Garage aufgebockt ist und sehr antik und kompliziert aussieht. Kein Wunder: Bei diesem Konstrukt handelt es sich um das Innenleben eines Porsche-Traktors. Das Liebhaberstück aus den 50er Jahren stammt aus einem west-deutschen Scheunenfund und wird nun im Rahmen eines wohl einzig-artigen Falkenseer Schulprojekts wieder restauriert und instand gesetzt.

Das lohnt sich, wie der 15-jährige Patrick Kirchhoff weiß. Er ist Geschäfts-führer der Schülerfirma „Projekt Porsche Junior Falkensee sGmbH“. Er sagt: „So ein Porsche-Traktor, der hat einen hohen Liebhaberwert. Wenn wir ihn fertig restauriert haben, führen wir ihn hoffentlich auf dem Erdbeerfest des Falkenseer Hofladens vor. Anschließend wird er verkauft. Von dem Erlös können wir uns gleich wieder einen Scheunenfund zulegen - für das nächste Team, das auf uns folgt. Der Porsche-Diesel-Club Europa e.V. aus Bremen vermittelt diese Oldtimer an Schulen.“

Guido Hildebrandt überwacht das Projekt. Seine Jungs sind jeden Montag für mehrere Stunden in der gut ausgerüsteten Werkstatt zu finden: „Hier lernen sie, im Team zu arbeiten, sich konzentriert einer langfristigen Arbeit zu widmen und im Projekt gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Sie kümmern sich um alles, auch um die Verwaltung des Etats und um das Besorgen von Ersatzteilen. Auf diese Weise gewinnen sie Selbstvertrauen und werden auf das Berufsleben vorbereitet. Einige der Jungs haben schon jetzt festgestellt, dass sie gern in diesem Bereich weiterarbeiten möchten.“

Damit dieses Schülerprojekt funktioniert, ist viel Hilfe von außen erforderlich. Ohne Herrn Wendland (44) z.B. würde gar nix gehen. Der Autoliebhaber hat das technische Wissen, das zur Porsche-Restauration nötig ist, und hilft dem Schülerteam auf ehrenamtlicher Basis beim Frickeln am Motor. Das Know-how hat sich Herr Wendland beim Restaurieren amerikanischer Oldtimer angeeignet.

Das Porsche-Projekt ist am 2. Oktober 2008 gestartet und soll noch vor den Ferien im Juli abgeschlossen sein. Guido Hildebrandt: „Das werden wir nicht ganz schaffen. Alle Beteiligten sind aber bereit, auch in der Freizeit noch ein paar Überstunden zu investieren, um den Porsche-Traktor am Ende rollen zu sehen.“

Vom ursprünglichen Etat von 5.000 Euro ist nicht mehr allzu viel Geld übrig. 3.000 Euro gingen allein für den Kauf des Oldtimers drauf. Mit dem Rest mussten Ersatzteile wie Blinker und Verbrauchsmaterialien wie Schleifpapier eingekauft werden. Patrick Kirchhoff: „Viele Unternehmen aus Falkensee haben uns bereits sehr geholfen, indem sie für uns kostenlos Schweiß- oder Lackierarbeiten übernommen haben. Auch der Schulträger (Landkreis) hat sich finanziell und materiell für dieses Projekt stark engagiert. Wir planen auch eigene Aktionen, um noch etwas Geld einzuspielen. Wir freuen uns aber auch über jeden Sponsor, der dazu bereit ist, uns auf den letzten Metern unter die Arme zu greifen - mit Geld-, gern aber auch mit Sachspenden. Spendenquittungen kann der Förderverein der Schule ausstellen.“

Keine Frage: Hier liegt ein sehr ambitioniertes Projekt vor, das sich im Grun-de selbst finanziert und das den Jugendlichen mehr auf den Weg gibt als nur ein paar Erfahrungen am Schraubenschlüssel. Wer kann denn von sich sagen, schon einmal einen alten Porsche zusammengeschraubt zu haben, der am Ende auch wirklich wieder fährt, nachdem er 40 Jahre lang Rost in einer Bauernscheune angesetzt hat?

 

Bericht in der Märkischen Allgemeinen vom 16.10.2009

Bericht BRAWO vom 18.10.2009

Sie haben monatelang schwer malocht, mit Akribie Schraube für Schraube ein-gesetzt und den Porsche-Junior Traktor 108 kräftig aufgemotzt. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Nun ist das Vehikel ein schmucker und blitzender Oldtimer. Ein Verdienst der Akazienhof-Schüler.
Als die Idee im März 2008 geboren war, galt der „Scheunenfund" noch als nahezu irreparabel. Doch Patrick Kirchhoff, Thomas Ratajczak, Enrico Kreft & Co. zeigten Herzblut. Sie konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ihre Augen funkelten am Donnerstag genauso wie die blitzeblanke Motorhaube des Traktors. „Wir sind unheimlich stolz darauf, das geschafft zu haben - auch wenn es anstrengend war", sagte Kirchhoff. Gut ein Jahr lang einmal pro Woche hieß es den Blaumann anziehen und loslegen. Mit dem langzeitarbeitslosen Allround-talent Torsten Wendland, der sich fast Rund um die Uhr für das Projektgelingen einsetzte, hatten die Jungs zudem einen perfekten Lehrmeister.

Die Restaurierung des Traktors, der nunmehr einen geschätzten Wert von 12.000 Euro hat, gelang folglich.

Für Lehrer Guido Hildebrandt, der mit Hilfe der Projektinitiatoren, dem „Porsche-Dieselclub-Europa", sowie zahlreichen Sponsoren den „Scheunenfund" (Baujahr 1959) zuvor für 3.000 Euro (plus 3.500 Euro Materialkosten) erstehen konnte, hat die Schülerfirma des Akazienhofes ohnehin Großes geleistet.

„Das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis der Schüler ist absolut gestärkt worden. Sie haben ihre Fähigkeiten gezielt stärken können." Apropos. Das allge-meine Ziel des Projektes, die ganz einfache Dieseltechnik der Traktoren verste-hen zu lernen, wurde erreicht. Der Nebeneffekt: „Das Erlernen der unterschied-lichen handwerklichen Tätigkeiten hat den Schülern ermöglicht, unterschiedliche Berufsfelder kennen zu lernen", so Hildebrandt.

Die Zertifikate, die sie von der Allgemeinen Förderschule sowie vom „Porsche-Dieselclub" erhalten, seien zudem heiß begehrt und könnten zuweilen Türen öffnen. Der nächste Traktor steht übrigens schon wieder parat. Der aus Unna stammende „Scheunenfund" wartet schon darauf, restauriert zu werden. Dann heißt es wieder Blaumann anziehen und loslegen.

Bericht BRAWO 08.11.2009