Märkische Allgemeine - Der Havelländer 22.01.2011

BILDUNG: Das Paradebeispiel

Schülerfirma bezieht neue Werkstatt / Johannesstift Spandau spendet Geld

 

FALKENSEE - Hell ist der Raum im Keller der Förderschule Am Akazienhof – und mehr Platz als vorher gibt es auch. Künftig können dort bis zu zehn Schüler historische Traktorteile restaurieren. Damit Mensch und Technik hineinpassen haben Marvin Wildt (14), Marvin Giebel (15), Maik Adam (16) und Dominic Zahmel (16) vorher genau ausgeklügelt, wo sie Werkbänke, Schränke und Regale am besten hinstellen. „Wie bei einer eigenen Wohnung“, sagt Geschäftsführer Dominic. Auch das Mobiliar haben sie selbst hineingeschleppt.

Das neue Domizil haben die Jungs der Schülerfirma „Porsche-Junior-Team Falkensee“ indirekt einer Havarie zu verdanken. Im September hatte eine kaputte Heizung das Untergeschoss des Hauses an der Poststraße zuerst unter Wasser gesetzt und dann in eine Schimmelkolonie verwandelt (MAZ berichtete). Der alte Werkraum war ebenfalls betroffen, und zufällig passten die Renovierungsarbeiten gut mit den Expansionsplänen der Schülerfirma zusammen. Projektleiter Guido Hildebrandt ist besonders von den großen Fenstern der Werkstatt angetan. „Jeder, der vom Parkplatz zur Schule läuft, kann uns bei der Arbeit zuschauen“, sagt er – eine perfekte Lage, um das Aushängeschild der Schule ins rechte Licht zu rücken.

Dabei hat die Gruppe, die seit 2008 existiert, Reklame gar nicht mehr nötig. Wäre die Schülerfirma ein privater Betrieb, wären die Auftragsbücher voll, sagt Hildebrandt. „Die Leute stehen Schlange, um ihre alten Trecker von den Schülern restaurieren zu lassen.“ Kreisbildungsdezernent Roger Lewandowski attestiert dem Team einen „hohen Bekanntheitsgrad“ und nennt es ein „Paradebeispiel dafür, was Schülerfirmen leisten können“.

Claudia Lukat von der Initiative „Kinder beflügeln“ des Evangelischen Johannesstifts in Berlin-Spandau, die die Schüler von Beginn an unterstützt, findet das Projekt „supertoll und bodenständig“. Gestern hatte sie wieder einmal einen Förderscheck dabei. Von den 500 Euro werden voraussichtlich zwei Hinterreifen gekauft, außerdem ein Kabelbaum sowie Kontrollleuchten und Relais.

Wie viel die neue Werkstatt gekostet hat, konnte gestern niemand genau beziffern. Insgesamt sollen seit 2008 zwischen 5000 und 10 000 Euro in die Ausstattung – von Werkbänken bis Schutzkleidung – geflossen sein, hieß es aus der Kreisverwaltung. Obwohl seit geraumer Zeit über die Zukunft der Förderschulen diskutiert wird, sollen sie und Projekte wie dieses weiterhin unterstützt werden. (Von Jana Einecke)